Parallel zur Ausstellung „Druck
& Poesie“ im Frühjahr 2026
hat ENGELsART zu einer Schreibwerkstatt mit Sabine Wallefeld eingeladen.
Fünf Frauen hatten sich getroffen und ihre Gedanken zu einigen Exponaten geschrieben.

Gestartet wurde mit einem Zitat von Friedrich Schiller:
„Kunst ist die Tochter der Freiheit“
Text von Daphna Koll:
Wenn ich diesen Worten nachspüre, will ich dies bejahen.
Die Freiheit ist ein Ort für Inspiration.
Hier kann ich allen Sinnen „die lange Leine“ geben,
mich aussetzten, einlassen, offen für Einfälle bleiben,
das Gewicht von Worten (Leichtigkeit / Schwere) ertasten,
die Waage schwingen lassen und – spielen lernen.
Schauen, was sagbar, was mit-teilbar ist.
Worte aufgreifen, verwerfen, Wegsamkeit prüfen,
Festigkeit geben durch Dichte. Die Töchter und Söhne wachsen heran.
Text von Elke Erben:
Ein schönes Gefühl Tochter zu sein. Ich heiße Kunst, mit Nachnamen Freiheit. Das gibt mir unendlich viele Möglichkeiten mich zu entfalten.
Das zu tun, was für mich gut und sinnvoll ist.
Dinge auszuprobieren, die ich eventuell nicht tun würde. In Kontakt zu kommen mit Menschen, von denen ich lernen kann. Die mich ermutigen.
Mit Materialien zu spielen und zu experimentieren. Farben und Formen zu verknüpfen. Themen zu bearbeiten, die mir wichtig sind.
Meine Geschwister heißen Neugier und Inspiration, mein Vater Mut.
Ich bin dankbar, dass es Euch gibt.
Weiter ging es mit einer Bildbeschreibung:



Röntgenbilder
Durchsicht, Einsicht, Ansicht, durchscheinende Karten.
Wer „es“ wissen will, schaut hinein,durchleuchtet ein Bild – noch geheimnisvoll -, eine analytische Offenbarung zwischen Schatten und Wahrheit mit Licht gezeichnet.
Die Oberfläche zeigt reale Formen, bekannt – vertraut, verlässlich,
wie eine schonende Decke, ein mildes Tuch. Die gewählten Motive stören die Durchsicht, wollen nicht wissen, machen etwas Anderes mit einer „Wahrheit“, verdrängen die Botschaft, wollen s c h ö n sein.
Spuren, die eingeschrieben sind, Zeichen, die gelesen sein können.
Druck: Gisela Eich-Brands/Christiane Klapdor
Text: Daphna Koll
Zwei Frauen
Der erste Blick: Zwei Gestalten, reduziert, Rückenansicht ohne Arme, Beine eng aneinander, Füße unsichtbar. Eine Figur grün, die andere weiß auf rotem Grund füllen fast das ganze Bild.Hintergrund weiß mit schwarz-grünen und roten Streifen.
Was sehe ich?
Die Umrisse der Figuren sind gleich.
Doch wirken sie unterschiedlich.

Druck: Christiane Klapdor
Text: Susanne Rejeb
Roter Hintergrund vergrößert, verbreitert Körper und Kopf, durch Farbe und Form mächtiger, dominierend, rot bedrängt die grüne Körperseite, übergriffig. Rote Fackel über dem Haupt, Einfluss nehmend auf den Geist. Grün kann sich noch behaupten, lässt einen Raum offen zum Rand. Unsicher. Wirre weiße Kringel zeigen innerliche Zerrissenheit. Rechts dagegen starke, senkrecht verlaufende Geraden, nur tangierend, unterstreichen aufrechte Haltung, bieten Schutz, grenzen ab. Weiße Rundungen über der Schulter, nichts lastet, nichts stört, Ruhe. Auf grüner Schulter schwarze Linien, Gewicht. Dennoch: Zarte grüne Sprenkel in den weißen Streifen zwischen den Beiden. Hoffnung. Sie werden ihren Weg gemeinsam gehen.
Zu diesem Bild gibt es weiter unten noch eine Bildgeschichte …

Texte: Elke Erben
Druck links: Daphna Koll
Ein langes, schmales Etwas – ca. 2,5 x 70 cm groß. Ein weißer Hintergrund und ein schwarzer Vordergrund. Unterbrochen durch weiße Linien oder freie Flächen. Oben ein Oval. Zwischendurch dickere Flächen im Wechsel mit dünnen Linien. rund um das Oval weniger Farbauftrag/Druck.
Zu diesem Bild links gibt es unten noch eine Bildgeschichte …

Druck oben: André Nowack
Ein nahezu quadratisches Bild. Linien in horizontaler und vertikaler Richtung. Nicht exakt, sondern willkürlich eingeritzt ins Holz. Mal dünner und mal dicker. Die Flächen zwischen den Vertiefungen sind monochrom mit einem Blau/Grün/Türkis gefärbt. In unterschiedlichen Helligkeitsstufen, flächig mit Struktur. Ach die Tiefe der Rillen variieren. Ebenso deren Breite und Helligkeit.
Zum Schluss war noch Zeit für eine Bildgeschichte:

Der große Krah mit scharfem Blick Durchdringt er dichGefährlich
Hockt in seinem Federkleid
Den riesigen Schnabel schon bereit
Zu stürzen auf eine kleine Maus
Die armen Tierchen packt der Graus
Oh, großer Krah, bitte um Gnade
Wär um die Mäuschen jammerschade
Druck: Beate Mittelberg
Text: Susanne Rejeb
Silhouetten
plötzlich ein ungutes Gefühl.
Wenn aus dem Nichts Gefahr lauert,bin ich bereit zu rennen?
Nähe
jetzt ist es ganz anders.
Keine Angst und keine Flucht,
nur das was ist – Begegnung.
Druck: Daphna Koll
Text: Elke Erben


Druck links: Christiane Klapdor
Dreiklang mit Kreisen
farbige Flächen im Bild
Bewegung spürbar
Ohne Abbildung zum
Druck von Rainer Aring
Ist doch nur ein Kuss
denkt der Verstand – doch das Herz spürt ganz viel Liebe
Haikus: Elke Erben
Druck von Daphna Koll:
Ein langes Etwas
in Schwarz und Weiß
kein Titel und keine Idee.
Dennoch sofort verliebt
in dieses Grafische
die Eleganz des Unscheinbaren.
Keine sich aufdrängenden Farben
aber eine ungewöhnliche Form.
Ist es das, was mich anspricht
und die Gedanken zum Fließen bringen?
Nach dem Motto: weniger ist mehr.
Druck von Christiane Klapdor:
Zwei Wesen
ein ICH, ein DU
vielleicht sogar ein WIR.
Jedes für sich
oder doch gemeinsam?
Erst jetzt oder schon länger?
Mit Blick zurück oder nach vorn?
Mit Kribbeln im Bauch oder aus Gewohnheit?
Wer weiß das schon.
Wichtig ist nur, dass es sie gibt – diese zwei Wesen.
Texte: Elke Erben